Glatzerland in Gotteshand

 

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Das denkmalgeschützte Barackenlager in Coesfeld-Lette

Virtuelle Baracke im Heimathaus
Denkmal-Verein hat Anlaufstelle im Gebäude / Ausstellungen zu Flucht und Vertreibung geplant
Im Heimathaus in Lette hat der Verein „Denkmal Barackenlager Lette e.V.“ ab sofort eine feste Anlaufstation. Das sagte der Vorsitzende des Vereins, Harald Dierig. Ein entsprechender Mietvertrag mit der Stadt ist unterzeichnet, der Schlüssel übergeben worden.

2017 Schlüsselübergabe Heimathaus

Bildzeile: Symbolische Übergabe des Schlüssels für die Anlaufstelle des Vereins durch Uwe Dickmanns (Mitte, Stadtverwaltung) an den Vorsitzenden Harald Dierig. Mit im Bild sind Mitglieder des Barackenlager-Vereins sowie des Heimatvereins, hier mit dem Vorsitzenden Gerold Wilken (Reihe oben rechts im Bild).
 

Ein Raum der Verwaltungsnebenstelle ist dafür zur Verfügung gestellt worden. „Die Verwaltungsnebenstelle bleibt natürlich bestehen, sie wird dadurch nicht beeinträchtigt“, so Stadtsprecherin Andrea Zirkel. Der Nebenraum werde schlichtweg nicht mehr benötigt und nun ausgeräumt, um für den Barackenlager-Verein Platz zu schaffen.
Doch nicht nur eine feste Anlaufstelle will der Verein bieten. Er hat zudem vorgesehen, vor allem auch jüngeren Bürgern Informationen über die Geschichte des Barackenlagers und der aus den Ostgebieten vertriebenen Menschen näher zu bringen. Eine umfangreiche Dauerausstellung ist im Heimathaus zwar nicht geplant. Gleichwohl könnten nach Vorstellung des Vereins aber auch zeitlich befristete Ausstellungen das Thema Flucht und Vertreibung näher bringen. Dazu Harald Dierig: „Im ersten Halbjahr 2018 wollen wir im Heimathaus Lette eine Ausstellung von Dokumenten und Exponaten von Zeitzeugen zur Ankunft und Eingliederung im Kreis Coesfeld zeigen.“
Wegen der beengten Verhältnisse soll mit Hilfe digitaler Medien eine „virtuelle Baracke“ entstehen. So könnten auf Tablets Informationstexte, Videos, Bilder und historische Dokumente gezeigt werden.
Die Baracken des Durchgangslagers Lette haben Tausende von Ostvertriebenen durchlaufen. Im Jahr 1951 lebten rund 11 000 Vertriebene im Kreis Coesfeld und stellten somit rund 15 Prozent der Gesamtbevölkerung dar. Einige blieben im Barackenlager, das vom Kreis Coesfeld bis 1960 als Altenpflegeheim für Ostvertriebene genutzt wurde. Auf dem Heidefriedhof sind bis zum Jahr 1960 über 100 Menschen begraben, deren Namen auf Info-Tafeln aufgelistet sind.
An ihre Schicksale erinnern seit November auch zwei Stelen, die Ende des Jahres auf dem Heidefriedhof an der Bruchstaße in Lette feierlich eingeweiht worden sind. Zwischen den Stelen angebracht ist eine Gedenkschwelle mit dem Spruch: „Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung“ von Klaus Bonhoeffer. Zugleich wurde bei diesem Anlass der 70-jährigen Wiederkehr der Ankunft der Vertriebenentransporte in Lette gedacht.
Intensiv mit der Thematik beschäftigt hat sich der Historiker Prof. (im Ruhestand) Dr. Joachim Kuropka.
Text und Bild: Allgemeine Zeitung Coesfeld
 

Der Verein Denkmal Barackenlager Lette e.V. sucht zum nächstmöglichen Termin eine/n

Ausstellungsgestalter/in

zunächst zur Erstellung eines musealen Konzepts inklusive Zeit- und Kostenplan zur Vorlage an Förderer und Stiftungen

Der Verein Denkmal Barackenlager Lette e.V. bemüht sich um die Erforschung und Darstellung der Geschichte des Barackenlagers in Lette, das zu den besterhaltenen Lagern dieser Epoche in Deutschland gehört. Dieses wurde 1933/34 als SA-Schule erbaut, anschließend vom Reicharbeitsdienst, 1945 als Sammellager für „Displaced Persons“, 1946 als Vertriebenenlager und schließlich bis 1960 als Altenheim für Vertriebene genutzt. Der Verein konzentriert sich inhaltlich auf die schwierige Anfangssituation und die anschließende Integration der Vertriebenen im Münsterland. Weitere Informationen finden Sie unter www.barackenlager-lette.de.
Das Lager befindet sich heute in Privatbesitz und ist zurzeit nur eingeschränkt zugänglich. Daher möchte der Verein eine „virtuelle Baracke“ erlebbar machen. Dafür stellt die Stadt Coesfeld dem Verein einen Raum im Heimathaus Lette zur Verfügung und gestattet darüberhinaus die Nutzung des Vorraums, der zugleich als Warteraum für das Bürgerbüro dient.

Kleiner Raum sucht große Herausforderung
Der vorgesehene Raum ist lediglich 14,58 qm groß, der ebenfalls einzubeziehende, allerdings durch die Funktion als behördlicher Warteraum nur eingeschränkt nutzbare Vorraum 20,93 qm. Der Verein besitzt ein reichhaltiges Archiv mit Bildern, Unterlagen, Objekten (z.B. „Fluchtgepäck“, Alltagsgegenstände aus dem Barackenlager) und filmisch dokumentierte Zeitzeugenaufnahmen, die in der Ausstellung präsentiert werden sollen. Eine aktuelle Aufarbeitung der Geschichte des Lagers liegt ebenfalls vor.
Die geplanten Installationen/Medienelemente sollen reversibel sein, um optional später in eine museal umgebaute Baracke eingebracht, oder auch temporär an anderen Orten (Ausstellungen) aufgestellt werden.

Vergütung
1000,- € auf Honorarbasis
Bei erfolgreicher Einwerbung von Finanzmitteln ist ein Folgeauftrag für die Feinkonzeption und die Umsetzung vorgesehen (geplant ist die erste Jahreshälfte 2018).

Ihr Profil
Erfahrungen in der Ausstellungskonzeption
Interesse an der Vermittlung historischer Themen, speziell der Nachkriegszeit

Bei Rückfragen steht Ihnen Frau Dr. Vera Brieske (0176 84569935; v.brieske@gmx.de) zur Verfügung

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann schicken Sie bitte Ihre Bewerbung bis zum 15.04.2017 an:
Verein Denkmal Barackenlager Lette e.V., Harald Dierig (Vorsitzender), Von-Schonebeck-Ring 62, 48161 Münster; gerne auch per Mail an: hdierig@t-online.de         
 

Neue Chancen fürs Barackenlager in Lette
Abgeordneter Karl Schiewerling will Bundesstiftung  Flucht, Vertreibung, Versöhnung einbinden.

Von Viola  ter Horst . Allgemeine Zeitung Coesfeld vom 14.01.2017

 

COESFELD. Bundestagsabgeordneter Karl Schiewerling (Nottuln) sieht gute Chancen, dass es mit dem Barackenlager  Lette weitergeht. Schiewerling will die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung,  Versöhnung in das Projekt einbinden. „Es gibt die Idee, dass Lette eine Außenstelle der Stiftung wird", so der CDU-Abgeordnete. Wenn die Stiftung zustimme, müssten haushaltsrechtliche Voraussetzungen geschaffen werden, um ein Konzept zu entwickeln. „Wir haben das Gelände voriges Jahr mehrmals besucht und gemeinsam mit meinem Kollegen aus dem Bundestag, Dr. Philipp Lengsfeld, werde ich nun die Konzeptstudie auf den Weg bringen", kündigt Schiewerling an. Vorher müsse aber die Frage der Finanzierung klar sein. „Wenn alles klappt, wäre das eine gute Grundlage für die weitere Zukunft des Barackenlagers", so der Abgeordnete, der darauf hofft, dass spätestens fürs nächste Jahr Fördermittel in Aussicht stehen. Das denkmalgeschützte Areal an der Bruchstraße in Lette war im Jahr 1933 als SA-Sportschule errichtet worden und diente nach 1945 als Durchgangslager für Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten.

2016 Barackenlager Lette

 Schon seit Jahren laufen von verschiedenen Seiten Bemühungen, um das Barackenlager, das sich in Privatbesitz befindet, als Erinnerungsort zu bewahren und weiter zu entwickeln. Aktiv ist insbesondere der Verein Denkmal Barackenlager, der mit der Historikerin Ingeborg Höting mehrere Projekte entwickelte. Örtliche und überörtliche Mandatsträger sind von der Bedeutung überzeugt - zumal Barackenlager wie in Lette damals zwar typisch waren, aber es kaum noch welche gibt, die erhalten sind. So zeigte  Staatsministerin Monika Grütters bei einem Ortstermin Möglichkeiten auf, wie dort der angestrebte Lern- und Erinnerungsort entstehen könnte. Die Beauftragte für Kultur und Medien besichtigte das geschichtsträchtige Areal voriges Jahr mit weiteren Projekt-Beteiligten.

Alte und neue Heimat an einem Ort.
Neue Elemente am Heidefriedhof Lette offiziell eingeweiht / „Ein Ort zum Gedenken und Mahnen“
Text und Bild: Leon Seyock Allgemeine Zeitung Coesfeld
Lette.
 Der Wind hat schon ein kleines bisschen verraten. Denn ein neuer Schriftzug ziert den Eingang zum Heidefriedhof, der sich unter einer schwarzen Decke befindet. Durch einige Luftstöße ist der Schriftzug schon ein wenig zu erahnen, Bürgermeister Heinz Öhmann, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Harald Dierig, Vorsitzender des Vereins Barackenlager Lette, haben die Decke angehoben und das Zitat freigelegt: „Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.“
Neben dem Schriftzug wurden am Heidefriedhof unter den Augen von knapp 70 Besuchern drei Infotafeln und zwei Stelen durch Pfarrerin Birgit Henke-Ostermann und Diakon Arnold Bittner eingeweiht. Die linke Stele besteht aus Wünschelburger Sandstein, die rechte aus Baumberger Sandstein. Damit werden die alte und die neue Heimat der Vertriebenen aus Osteuropa, die nach Lette gekommen sind, symbolisiert. Auf den Infotafeln sind die Namen von 119 Menschen aufgelistet, die auf dem Heidefriedhof bis August 1960 beerdigt wurden. Anlass der Umgestaltung war die 70. Wiederkehr der Ankunft von den heimatvertriebenen Schlesiern, wie Dierig in seiner Ansprache erklärte.
Auch Bürgermeister Heinz Öhmann war gekommen, um einige Sätze zur Einweihung zu sagen. Er wies darauf hin, dass das Projekt ein „Werk der Bürger“ gewesen ist. Vor allem eine Klasse des Pictorius-Berufskollegs war daran beteiligt; sie hat die ersten Entwürfe für die Umgestaltung geliefert. Als „sehr vorbildlich“ stufte Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr das Engagement der Schüler ein, die ebenfalls an der Einweihung teilnahmen. „Die gute Initiative muss weiter verfolgt werden. Das sind wir den Vertriebenen schuldig“, brachte er es auf den Punkt.
Gerold Wilken, Vorsitzender des Heimatvereins, lobte die Zusammenarbeit mit dem Verein Barackenlager. Maria Pier erzählte von ihren Erfahrungen aus damaliger Zeit; sie wurde im März 1946 aus Schlesien vertrieben. „In einem Viehwaggon kamen wir hier an“, sagte sie. Einheimische hätten den Unterschied zwischen Flüchtlingen und Vertriebenen nicht verstanden. Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten konnte Pier mit ihrer Familie in Lette in Frieden leben.
„Die Aufnahme der Vertriebenen war eine persönliche Bereicherung und keinesfalls eine Belastung“, erinnerte sich Martha Elsbecker, die damals mit ihrer Familie einige Menschen aus Ostdeutschland aufgenommen hatte. Nach der Einweihung waren die Besucher eingeladen, Vorträgen von Werner Jostmeier und Joachim Kuropka zu folgen

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HF 2016 Einweihung der Stelen


Foto
Ostermann, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr, Maria Pier (Vertriebene aus Schlesien), Harald Dierig (Vorsitzender des Vereins Denkmal Barackenlager Lette e.V.), Pfarrer Carsten Remke und Diakon Arnold Bittner. Fotos: Leon Seyock
 

                                           “Ein Zeichen an die neue Generation”

Gedenkstelen auf dem Heidefriehof Lette aufgestellt/ Feierliche Einweihung am 24. November
Text und Foto: Steven Micksch Allgemeine Zeitung Coesfeld

LETTE. Lange schauen die Anwesenden auf die beiden neu aufgestellten Stelen auf dem  Heidefriedhof. Von den Gräbern aus kommend steht rechts die Stele aus Wünschelburger Sandstein  gen Osten gerichtet. Wünschelburg (heute: Radków in Polen) liegt in Schlesien und ist symbolhaft für die Heimat, die viele Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg zurücklassen mussten. Die zweite Stele steht der ersten gegenüber und wurde aus Baumberger Sandstein gefertigt und steht dadurch für die Region, in die die Menschen damals kamen - für einige wurde sie eine neue Heimat. „Die Stelen  sind auch ein Zeichen an die neue Generation, sich gegen Terror und Gewalt zu wehren und die Aufgabe Integration anzunehmen", sagte der erste stellvertretende Bürgermeister, Gerrit Tranel, gestern bei der Aufstellung. Die Entwürfe der Steine wurden durch Schüler des Pictorius-Berufskollegs angefertigt. Umgesetzt hat sie der Architekt Gerold Thume aus Coesfeld - möglich machte dies vor allem die finanzielle Unterstützung der Sparkassenstiftung Kreis Coesfeld und der Bürgerstiftung, die das Geld von der Unterstiftung Addy-Bosten-Stiftung erhielt. „Die Stelen sind für jene, die hier liegen, für die die durchgeschleust wurden und die Ortsansässigen die halfen - damals und heute", sagte Harald Dierig vom Verein Denkmal Barackenlager Lette. Er erklärte zudem, dass noch drei Tische auf der Wiese aufgestellt werden. Diese würden Informationen über den  Heidefriedhof sowie eine Gräberliste für die 119 Ruhestätten und ein Plan für deren genaue Lage zeigen. Unter den Gästen befand sich gestern auch Erika Brieske aus Vechta. Mit vier Jahren musste sie gemeinsam mit ihren Eltern die schlesische Heimat in Richtung Lette verlassen. Diese war damals Wünschelburg, wo der Stein für eine der Stelen herstammt. Ihr Großvater Andreas Graser arbeitete sogar einst in diesem Steinbruch. „Ich bin froh, dass ein Stein aus Wünschelburg genutzt wurde", sagte Brieske. Auch der Reichstag, der Warschauer Bahnhof und Denkmäler in Auschwitz und Treblinka seien aus dem Sandstein gefertigt. Jede der Stelen hat drei glatte und eine raue Seite. Diese Bruchkante symbolisiert den schlagartigen Aufbruch, den viele Familien  binnen weniger  Stunden vollziehen mussten. Etwas Sorge hatten die Verantwortlichen im Vorfeld, ob der Baurnberger Sandstein wetterbeständig genug sei. „Aber wir haben einen Stein aus einer  besonderen Kuhle bekommen“, erklärte Dierig. Ein nächster Schritt erfolgt am 24.November, wenn die Stelen auch von der katholischen und evangelischen Kirche eingeweiht werden.Aufgereiht zwischen den Stelen: Links der Stein aus Wünschelburg, rechts der Baumberger Sandstein. Demnächst sollen an der inken Seite noch drei Infotische aufgestellt werden.

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Zudem sollen an diesem Tag auch zwei Tafeln mit Inschriften an den beiden Steinen enthüllt werden. „Einen Wermutstropfen gibt es allerdings", verheimlichte Harald Dierig nicht, „wir stehen hier heute nur, weil wir unsere eigentliche Idee auf dem Gelände des Barackenlagers immer noch nicht umsetzen können." Aufgegeben sei die Idee von dem Erinnerungs- und Lernort auf dem denkmalge- schützten Gelände noch nicht.